Hygiene


Die Umwelthygiene ist keine junge Disziplin, jedoch in der medizinischen Praxis erst jetzt zunehmend in der Anwendung, obwohl umweltbedingte Befindlichkeitsstörungen und Erkrankungen schon lange bekannt sind. Die Verschmutzung der Umwelt mit Schadstoffen (Umweltchemikalien) ist in den letzten Jahrzehnten besonders durch industrielle Großunfälle wie Bhopal und Seveso sowie die Diskussion um die Atomenergie mit Unfällen in Harrisbourgh und Tschernobyl in das Bewusstsein der Bevölkerung gelangt. In der Presse werden zusätzlich Themen wie Smog, die Zunahme von Allergien sowie eine geminderte Immunabwehr und Leistungsfähigkeit durch Schadstoffe aus der Umwelt aufgegriffen. Was ist nun im Einzelnen unter der Umwelthygiene zu verstehen und was ist von ihr zu erwarten?

Die Umwelthygiene ist wie die Arbeitsmedizin auf den Menschen ausgerichtet. In der Umwelthygiene werden auch gesundheits- und krankheitsbestimmende Gesichtspunkte der Mensch-Umwelt-Beziehung für die Bevölkerung betrachtet und Gesundheitsrisiken durch Umwelteinflüsse abgeschätzt. Die Umwelthygiene geht also über den Arbeitsbereich hinaus. Der Begriff Umwelt umfasst dabei die gesamte Umgebung. Schwerpunkt der Betrachtung sind die durch menschliches Handeln entstandenen physikalischen und chemischen Faktoren, Stoffe und Einflüsse, die aus der vom Menschen geprägten Umgebung direkt oder indirekt auf den Menschen einwirken.

Belastungen gehen in der Umwelt zum Beispiel von mit Schadstoffen belasteter Luft oder von Lärm aus. Allgemein gilt in vielen Fällen ein Dosis-Wirkungsprinzip mit Wirkungsschwellen. Das heißt mit steigender Belastung sind deutliche Auswirkungen auf den Menschen festzustellen, wobei die Wirkung oft erst auftritt, wenn eine gewisse Schwelle überschritten wird. Dabei reagieren Menschen unterschiedlich auf gleiche Belastungen.

Bei den Erkrankungen findet sich in der Regel kein einfacher Ursachenzusammenhang. Es ist daher wichtig auf Expertenwissen und vorhandene Datensätze zurückgreifen zu können. So sind bei der Beratung des Einzelnen immer die Erkenntnisse der umwelthygienischen Forschung mit einzubeziehen. Dabei ist zu beachten, dass Einflüsse von Umweltfaktoren von den Betroffenen häufig als besonders unangenehm, lästig und die Lebensqualität beeinträchtigend empfunden werden. Diese Befindlichkeitsstörungen sind mit der klassischen eingehenden medizinischen Untersuchung nicht immer erfassbar. So gehört zur umwelthygienischen Untersuchung auch ein ausführliches Gespräch über die subjektive Einschätzung des Ratsuchenden zu Zusammenhängen zwischen Beschwerden und den Ursachen sowie eine eingehende Beratung. Für gezielte Fragestellungen werden Ortsbegehungen und Analysen durchgeführt.

Belastungen können in den Umweltmedien Luft, Boden, Wasser und Lebensmitteln auftreten. Daneben stehen weitere Belastungsquellen wie Lärm und Strahlung. Für die Luft unterscheiden wir Belastungen, die über die Atmung aufgenommen werden wie zum Beispiel Ozon, Stäube und Pollen in der Außenluft sowie Formaldehyde, Asbest und Zigarettenrauch in Innenräumen. Darüber hinausgehende Einflussfaktoren sind das Klima und Gerüche. Bei den Böden und Pflanzen sind Altlasten durch das Militär und die Industrie sowie der Pflanzenschutzmitteleinsatz bei landwirtschaftlich und gärtnerisch genutzten Flächen zu nennen. Das Wasser kann als Trink-, Grund-, Fluss- und Abwasser belastet sein und die Gesundheit direkt oder indirekt beeinträchtigen. Ein wiederkehrendes Thema ist beispielsweise die Trinkwasserbelastung durch Bleirohre. Bei den Lebensmitteln werden Belastungen mit Metallen wie Cadmium, mit Insektiziden sowie durch Dioxine thematisiert.

An den Atemorganen werden gehäufter Husten und eine vermehrte Infektanfälligkeit beklagt. Diagnostiziert werden eine Bronchitis und eine Lungenüberblähung. Das Blut und die blutbildenden Organe können durch Schadstoffbelastungen mit Blei oder Benzol geschädigt werden und unter anderem zu einer geminderten Infektabwehr, einer Blutarmut oder zu Blutkrebs führen. An Magen und Darm spielen unter anderem allergische Erkrankungen eine Rolle. Die Leber kann durch Lösemittel belastet sein. Bei den Nieren sind Schwermetalle Ursachen für Störungen. Als Belastungsquellen werden Feuerungsanlagen mit Schwefeloxid, Baustoffe mit Holzschutzmitteln, die medizinische Diagnostik mit Röntgen und Werkstoffe der Zahnmedizin mit Amalgan thematisiert.

In unserer Arbeit können wir über ein breites Wissensspektrum im Bezug auf Schadstoffe und andere Umwelteinflüsse u.a. durch die intensive Zusammenarbeit mit dem Umweltbundesamt und anderen wissenschaftlichen Instituten zurückgreifen. Ziel unserer Beratung und Begutachtung ist, die Betroffenen in die Lage zu versetzen ihr eigenes und gruppenbezogenes Gesundheitsrisiko besser einschätzen zu können. Zusätzlich werden praktikable Handlungskonzepte aufgezeigt. Vorbeugend kann bei der Erstellung und Einrichtung von Wohn- und Arbeitsräumen eine Beratung bereits in der Planungsphase sinnvoll sein. Bei Innenräumen spielen nicht nur Schadstoffe, sondern häufig auch andere Faktoren wie das Raumklima eine Rolle. Die Umwelt- und Arbeitshygiene überschneiden sich in vielen Bereichen und können sich somit sinnvoll ergänzen.

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